Podcast Episode 9 – Ein Gespräch über Lebenskunst
Michael Hampe im Gespräch mit Christoph Röckelein
Michael Hampe im Gespräch mit Christoph Röckelein
Lebenskunst im Gespräch – Michael Hampe & Christoph Röckelein
Studium Generale Lebenskunst der UniNUN
Was heißt es eigentlich, das eigene Leben zu gestalten – nicht nur zu bewältigen, sondern bewusst zu führen?
In diesem Podcast begegnen sich mit Michael Hampe von der ETH Zürich und Christoph Röckelein zwei pragmatische Denker, die Lebenskunst nicht als Theorie, sondern als gelebte Praxis verstehen.
Ausgangspunkt des Gesprächs ist der scheinbar einfache Begriff: Lebenskunst. Hampe beschreibt ihn als Verbindung von „Leben“ – verstanden sowohl als biologischer Prozess als auch als individuelle Erfahrung – und „Kunst“, die kreative wie auch praktische Fähigkeiten umfasst. Lebenskunst entsteht genau dort, wo beides zusammenkommt: in der Art und Weise, wie wir auf das reagieren, was uns widerfährt.
Eine prägende persönliche Erfahrung bringt Hampe selbst ein: den frühen Tod seines Vaters. Er beschreibt, wie ihm eine gewisse Distanzierung – ein bewusstes Zurücktreten und Objektivieren der Situation – geholfen hat, mit dem Schmerz umzugehen und handlungsfähig zu bleiben. Diese Form der Distanz ist im Gespräch kein Rückzug aus dem Leben, sondern eine Voraussetzung dafür, es bewusst zu gestalten.
Darauf aufbauend entfaltet sich ein Dialog über Offenheit und situatives Handeln. Lebenskunst zeigt sich für beide nicht in festen Regeln, sondern in der Fähigkeit, auf konkrete Situationen angemessen zu reagieren. Philosophische Modelle wie die deontologische und teleologische Ethik werden dabei ebenso gestreift wie alternative Denkweisen – etwa das daoistische Konzept des Wuwei oder die buddhistische Praxis der Aufmerksamkeit. Röckelein ergänzt
diese Perspektive um die Idee einer inneren Beobachtung: die Fähigkeit, sich selbst im Handeln wahrzunehmen
und feine Intuitionen ernst zu nehmen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Rolle von Bildung und Institutionen. Beide Gesprächspartner fragen, ob klassische Bildungssysteme noch Räume für solche Formen der Erfahrung bieten. Hampe formuliert hier auch Kritik:
Zu oft dominierten Leistungsdruck, Verwertbarkeit und äußere Anerkennung. Demgegenüber sucht er Orte, an denen etwas anderes möglich ist – Räume für Reflexion, Stille und echte Auseinandersetzung.
Damit verbunden ist ein erweitertes Verständnis von Bildung: nicht als reine Wissensvermittlung, sondern als Transformationsprozess, der sich in einzelnen Momenten vollzieht. Neben fachlichem Lernen treten immaterielle
Dimensionen wie Aufmerksamkeit, Intuition und die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen. Röckelein spricht hier von „situativer Handlungskompetenz“ – einer Form von Präsenz, die über bloße Reaktionsschnelligkeit hinausgeht.
Dieser Podcast ist somit weniger eine Anleitung zur Lebensführung als eine Einladung zum Mitdenken:
Wie viel Distanz braucht es, um wirklich präsent zu sein?
Wie entstehen neue Möglichkeiten – gerade im Unscheinbaren?
Und welche Rolle kann Bildung spielen, wenn es um die Kunst des Lebens geht?
Ein Gespräch über Philosophie, Erfahrung und die leisen Formen von Orientierung in einer komplexen Gegenwart.
Viel Freude beim Hineinhören!

Podcast Episode 10 – Ein Gespräch über Lebenskunst