Podcast Episode 7 – Ein Gespräch über Lebenskunst
Ruth Seliger im Gespräch mit Christoph Röckelein
Ruth Seliger im Gespräch mit Christoph Röckelein
Zwischen System und Sinn – ein Gespräch über Lebenskunst
Was bedeutet es, ein Leben gut zu führen – und wer entscheidet das eigentlich? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines Gesprächs, das zugleich philosophisch, systemisch und sehr menschlich ist.
Dr. Christoph Röckelein, Initiator des Studium Generale Lebenskunst der UniNUN gGmbH, trifft auf Dr. Ruth Seliger – systemische Pionierin, Vordenkerin und langjährige Begleiterin von Transformationsprozessen in Organisationen und Gesellschaft. Was folgt, ist kein Vortrag, sondern ein echtes Gespräch: offen, nachdenklich und an manchen Stellen angenehm unbequem.
Lebenskunst – ein problematischer Begriff?
Gleich zu Beginn bringt Ruth Seliger eine kritische Perspektive ein, die den Rahmen des Gesprächs weitet. Als Systemikerin begegnet sie dem Begriff „Lebenskunst“ mit Skepsis: Er suggeriert, dass Menschen freie Wahl haben, dass Erfolg messbar ist und dass das Gelingen des eigenen Lebens primär eine Frage persönlicher Kompetenz sei. Doch genau das stellt Ruth Seliger in Frage. Niemand lebt im luftleeren Raum. Der Mensch ist immer eingebettet in gesellschaftliche, ökonomische und kulturelle Zusammenhänge, die ihn formen und begrenzen – oft ohne dass er es bemerkt.
Lebenskunst, so Ruth Seliger, beginnt daher nicht mit dem Optimieren des eigenen Ichs, sondern mit dem Einnehmen einer Beobachterperspektive: Wer bin ich in diesem System? Wie nehme ich die Verbindung zwischen mir und meiner Umwelt wahr? Anstatt normative Definitionen eines „gelingenden Lebens“ zu verfolgen, geht es darum, die Komplexität der eigenen Situation wirklich wahrzunehmen.
Christoph Röckelein stimmt zu und ergänzt aus seiner eigenen Erfahrung: Lebenskunst zeigt sich nicht im Finden einfacher Antworten, sondern im Aushalten und bewussten Gestalten von Spannungsfeldern. Genau das ist auch die Grundhaltung, die das Studium Generale Lebenskunst kultivieren möchte.
ICH – WIR – ALLE: Die Architektur des Studium Generale
Im Gespräch entfaltet Christoph Röckelein die Struktur des Studium Generale, das sich über drei Semester entwickelt: Das erste Semester widmet sich dem ICH – der eigenen Wahrnehmung, dem persönlichen Erleben und der inneren Orientierung. Das zweite Semester weitet den Blick auf das WIR – auf Beziehungen, Gemeinschaft und das Miteinander. Das dritte Semester schließlich fragt nach dem ALLE – nach gesellschaftlicher Verantwortung, Demokratie und dem eigenen Handeln im größeren Zusammenhang.
Bildung, die beim Individuum beginnt und sich konzentrisch zur Gesellschaft hin weitet, entspricht dem Verständnis der UniNUN von Bildung. Nicht das isolierte Ich steht im Mittelpunkt, sondern das Ich in Beziehung.
Bildung als demokratischer Auftrag
Das Gespräch führt Christoph Röckelein und Ruth Seliger auch zur Frage, was Bildung heute leisten muss. Christoph Röckelein beschreibt seinen Anspruch als Verantwortlicher der UniNUN gGmbH: Bildung ist nicht neutral – sie trägt einen Auftrag. Einen Auftrag zur Bewusstseinsbildung, zur Mündigkeit und zur Stärkung demokratischer Haltungen.
Ruth Seliger greift diesen Gedanken auf und vertieft ihn. Demokratie, so ihr Ansatz, ist kein abstraktes Ideal, sondern eine gelebte Praxis – und sie beginnt damit, sich selbst zu verorten: Wo stehe ich? Was sind meine Werte? Und wie verhalten sich meine Ziele zu denen der Gesellschaft, in der ich lebe? Diese Fragen von außen nach innen zu stellen, ist für Ruth Seliger der eigentliche Kern einer lebenskundlichen Bildung.
Sinn als Antwort auf Komplexität
Am Ende des Gesprächs fragt Christoph Röckelein Ruth Seliger nach ihrer persönlichen Orientierung in der Arbeit mit komplexen Systemen: Was hält einen aufrecht, wenn die Zusammenhänge unüberschaubar werden?
Ruth Seligers Antwort führt zu Viktor Frankl und zum Begriff des Sinns. Nicht als fertige Formel, sondern als innere Haltung: Wer einen Sinn in seinem Tun erkennt – auch im Kleinen, auch im Fragmentarischen – bleibt handlungsfähig. Sinn, so lässt sich das Gespräch zusammenfassen, ist vielleicht die tiefste Form der Lebenskunst.
Dieser Podcast verstehen beide als Beitrag zum Studium Generale Lebenskunst der UniNUN gGmbH – einem Bildungsprogramm, das Menschen einlädt, bewusster, beziehungsfähiger und gesellschaftlich verantwortungsvoller zu leben.

Podcast Episode 8 – Ein Gespräch über Lebenskunst